
Die Römer errichten auf der Spitze der Landzunge, wo heute das Schloss von Morcote steht, einen Wachturm. Diese Türme waren Teil des römischen Verteidigungssystems entlang des Alpenbogens.
Es ist den Römern zu verdanken, dass der Weinbau im Tessin eingeführt wurde.

Um 1100, während der Kriege zwischen Como und Mailand um die Vorherrschaft in der Region, wird auf den Ruinen des römischen Turms eine Festung errichtet.
Es heisst, dass Friedrich Barbarossa, Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, auf seinem Weg nach Italien im Schloss von Morcote übernachtet habe.

Zwischen 1395 und 1535, während der Regentschaft der Familien Visconti und Sforza, wird das Schloss in zahlreichen Dokumenten des herzoglichen Archivs erwähnt.
Im 15. Jahrhundert wird die Burg mehr als vierzig Jahre lang von den lokalen und sich gegenüberstehenden Herrschaften der Familien Rusca und Sanseverino umkämpft und beherbergte eine der wichtigsten Garnisonen der Region. In dieser Zeit wird die Festung von verschiedenen Burgherren unter dem Befehl des Herzogs verteidigt und bewacht.

Filippo Maria Visconti gewährt den Bürgern von Vico Morcote und Morcote die ersten Privilegien. Sie sind von der Zahlung der herzoglichen Abgaben befreit, wenn sie zum Unterhalt des Burgherrn und seiner Soldaten beitragen.
Die Burg wird von den herzoglichen Gesandten als „uneinnehmbare Festung, wenn nicht mit grossen Opfern an Menschen und Geld“ beschrieben. Will sich der Burgherr von der Festung entfernen, muss er seine Söhne und ein Dutzend Soldaten als Pfand hinterlassen. Die Regeln sind streng: Nur jeweils ein Soldat darf die Burg verlassen, und nur jeweils zwei Personen dürfen die Burg über die Zugbrücke betreten.
Der Burgherr muss Lebensmittel und Munition für mindestens ein Jahr einlagern, kann aber seine zu diesem Zeitpunkt bereits erzeugten Produkte, wie z. B. Wein, in den Gebieten um die Burg verkaufen.

Während der Regentschaft von Bianca Maria Visconti und ihrem Ehemann Francesco Sforza wird das Schloss von Morcote auf ihre heutigen Form und Grösse erweitert. Beide verbringen viel Zeit auf der Burg, um der Jagt zu frönen. Es heisst, dass ein Stollen von der Burg zum Torre del Capitano am See, im Zentrum von Morcote, führte, um dem Burgherrn und seinen Soldaten im Falle einer Belagerung die Flucht zu ermöglichen.

Galeazzo Maria Sforza, ältester Sohn von Bianca Maria Visconti und Francesco Sforza, Bruder des berühmten Ludovico Il Moro, erneuert die herzoglichen Privilegien für die Bürger von Vico Morcote und Morcote. Die Originale der beiden herzoglichen Pergamente von 1413 und 1467, mit ihren wunderschönen Miniaturen, befinden sich in den Archiven der Familie Gianini.

In der Zeit der Italienischen Kriege, zwischen 1499 und 1504, wird von den Franzosen auch das Schloss von Morcote erobert.

Zwischen 1512 und 1513 wird die Festung von den Schweizer Eidgenossen geplündert, die auf ihrem Vormarsch zur Eroberung der Lombardei die Kontrolle über die Ländereien des Sottoceneri übernommen haben. Zwei Jahre später wird der Vormarsch der Eidgenossen jedoch durch die Schlacht bei Marignano gestoppt; sie werden von den Franzosen besiegt, was zum Ende des Herzogtums Mailand führt. Die italienisch-schweizerische Grenze wird auf ihre heutige Position verschoben und das Schloss von Morcote geht in Schweizer Hand über.

Im Laufe der historischen Ereignisse für die Kontrolle der Tessiner Gebiete wendet sich Kapitän Francesco Paleari Fratino vom Herzog von Mailand ab und stellt sich auf die Seite eines Teils der Eidgenossen, die zusammen mit den Franzosen kämpfen. Als Belohnung für seine militärischen Verdienste erhält Paleari die Festung und die angrenzenden Ländereien als Schenkung von den Schweizer Kantonen und wird so Eigentümer der Burg von Morcote.
Die Familie Paleari behält das Eigentum vier Jahrhunderte lang, widmet sich der Landwirtschaft und dem Weinbau und baut die Burgruine zu einen Bauernhof um.

Ingenieur Giuseppe Paleari, direkter Nachkomme des letzten Burgherrn und Direktor des Kantonalen Agrarinstituts Mezzana, ist einer der treibenden Kräfte bei der Verbreitung der Rebsorte Merlot im Tessin. Anfang der 1900er Jahre pflanzt Giuseppe Paleari auf den steilen und schmalen Terrassen rund um die Burg experimentell mehrere aus Frankreich importierte Rebsorten an, darunter Merlot und Pinot. Auf diese Weise werden die ersten Flaschen mit dem Namen Castello di Morcote hergestellt. Dank dieses aussergewöhnlichen Zufalls ist die Geschichte der Burg mit der des modernen Weinbaus in der italienischen Schweiz verflochten.

In den 1930er Jahren gründet der Ingenieur Massimo Gianini den landwirtschaftlichen Betrieb, indem er etwa 500 Parzellen zusammenlegt, die, mit ihrer ursprünglichen Gesamtfläche von 170 Hektar, eines der grössten Anwesen im Tessin bilden. Der Name des Betriebs leitet sich von der vom Luganersee umgebenen Landzunge des Monte Arbostora ab, auf der sich das Anwesen erstreckt. Mehr als 15 Jahre lang, von 1930 bis 1945, wird eine umfangreiche Urbarmachung des gesamten Gebiets geplant und umgesetzt, um die Ausübung einer gemischten Landwirtschaft möglich zu machen: 22 km Strassen, Wege, Bauernhäuser, zwei grosse Landwirtschaftsgebäude mit Ställen werden gebaut, der Weinberg erweitert und die Alpe Vicania entsteht (s. auch 1941).

Am 20. März 1940 kauft Massimo Gianini von den Brüdern Giuseppe und Giorgio Paleari, den letzten männlichen Erben der Familie, die Ruinen der Burg und deren Umland. Massimo beginnt mit einer konservativen Restaurierung der Festung. Die Arbeiten dauern fast 20 Jahre, um sich im Detail zu dokumentieren und die ursprüngliche Struktur des Denkmals beizubehalten.
**Der Weinberg in den 1940er Jahren.**\
Das an die Burg angrenzende Gelände ist terrassenförmig angelegt und mit einem 10 Hektar grossen Weinberg bepflanzt, in dem, unter der fachkundigen Leitung von Giuseppe Paleari, hauptsächlich Merlot angebaut wird. Es beginnt die Herstellung von Wein, der unter der Marke VITI (Viti Ticino) vermarktet wird, einem Synonym für Exzellenz, das die besten Tessiner Weine aus der Rebsorte Merlot kennzeichnet.

Zwischen Sommer 1941 und Ende 1942 werden 17 Hektar Wald an den Hängen des Berges Arbostora gerodet, um eine Alp anzulegen. Durchgeführt wird diese Arbeit dank rund einhundert polnischen Flüchtlingen, die während des Zweiten Weltkriegs in der Schweiz aufgenommen wurden. In der Mitte der Alp wird ein Bauernhaus mit Stallungen und Scheune errichtet.

Der alte Weinberg, der für den modernen Weinbau als ungeeignet gilt, wird in den 1970er Jahren weitgehend gerodet.
Im Jahr 1989 wird ein neuer Weinberg mit etwa 23.000 Stecklingen der Rebsorte Merlot und etwas Cabernet Franc und Cabernet Sauvignon neu bepflanzt, zu dem später Chardonnay hinzukommt.

Etwa 80 Jahre nach den ersten von Giuseppe Paleari produzierten Flaschen kehrt die Familie Gianini zur Herstellung des Weins Castello di Morcote zurück.

Als Enkelin von Ingenieur Massimo Gianini, beginnt Gaby den landwirtschaftlichen Betrieb ihres Grossvaters zu übernehmen. Die Imkerei wird eingeführt und ein Olivenhain mit 150 Olivenbäumen der Sorten Frantoio und Pendolino wird bepflanzt. Daraus wird das native Olivenöl des Schlosses gewonnen.

Das alte Bauernhaus aus Stein und der Stall aus den 1940er Jahren werden unter Beachtung der ursprünglichen Formen und Materialien renoviert und beherbergen nun das Restaurant Vicania.

Die Leitung der Weinproduktion des Weinguts Castello di Morcote wird mit neuem Schwung und grosser Entschlossenheit von Gaby Gianini übernommen, die von dem Önologen Michele Conceprio unterstützt wird. Gaby kreiert neue Etiketten und sorgt dafür, dass ihre Weine auf nationaler und internationaler Ebene geschätzt werden. Sie erhält von den bedeutendsten Journalisten und Kritikern der Branche prestigeträchtige Auszeichnungen.

Im Jahr 2014 beginnt die Umstellung des Weinbergs Morcote auf die biologische Landwirtschaft.\ Die Entscheidung, auf chemische Produkte und synthetische Düngemittel zu verzichten, zielt darauf ab, die wunderbare natürliche Umgebung der Landzunge Arbostora so weit wie möglich zu erhalten.\ Im Jahr 2017 erhält der Betrieb die staatliche Bio-Zertifizierung.

Im Rahmen der Renovierung eines der in den 1940er Jahren errichteten Landwirtschaftsgebäude mit Ställen entsteht der neue Weinkeller, ganz im Herzen des Weinguts.Er wird unter nachhaltigen Gesichtspunkten konzipiert und vollständig mit Solarenergie betrieben.
**Weinberge im Mendrisiotto**\ Neue Weinberge werden im Mendrisiotto erworben, der Region, aus der Gabys Ehemann Maurizio Merlo stammt, der seit diesem Jahr an ihrer Seite im Unternehmen mitarbeitet.

Die Trauben der Lese 2020 werden in der neuen Kellerei von unserer Önologin Benedetta Molteni vinifiziert.
Die Grundsätze der Biodynamik werden nun auch im Weinberg angewandt.

Unser wunderbares Abenteuer geht weiter, mit vielen neuen Projekten in unseren Herzen und neuen Herausforderungen, denen wir uns stellen müssen, immer mehr davon überzeugt, dass die Entscheidung für Nachhaltigkeit und Respekt vor der Natur die richtige war.
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